iPad Pro 10.5

Lehrer und iPad Pro – Ein Selbstversuch

Kürzlich habe ich mir ein iPad Pro in der 10,5 Zoll Variante zugelegt. Nach einem Hands-on mit dem iPad Pro 12,9 Zoll und einem wunderbaren Schreibgefühl auf dem zugehörigen Apple Smart Keyboard, wollte ich einen Versuch mit dem Gerät starten.

Und nun liegt hier o.g. iPad Pro, ein Apple Pencil, ein Smart Keyboard und eine Hülle zum verstauen all der Dinge. Ein teurer Selbstversuch beginnt.

Zunächst: Wo liegen eigentlich Vor- und Nachteile gegenüber meinem derzeitigen MacBook Air 11 Zoll:

Vorteile MacBook Air

  • Die Verzeichnisstruktur ist mir bekannt und muss nicht angetastet werden
  • Preis-/Leistungsverhältnis für Speicherplatz ist besser
  • Bessere Hardware-Konnektivität (insbesondere die Verarbeitung von USB-Sticks)
  • Bessere Software-Konnektivität (insbesondere in der Schule)
  • Echtes Trackpad für ein besseres Desktop-Empfinden

Vorteile iPad Pro

  • Kamera als Analog-Digital-Brücke im Klassenraum/in der Schule
  • Apple Pencil für echte Schrifteingabe.
  • Weitere Gewichtsreduktion um ca. 400 Gramm

Wow! Ich bin wieder auf meine Liebe zu diesen Apple-Gadgets reingefallen! Diese Aufstellung ruft zunächst nach einem Verbleib beim MacBook Air 11 Zoll, oder? Eigentlich gilt das noch viel mehr für Windows-Laptops. Wer kann evtl. etwas ergänzen?

Dennoch: 3 Gründe für das Selbstexperiment

  1. Ballast abwerfen

„Lehrer sind Jäger und Sammler.“ Schon mal gehört? Ich auch. Und es stimmt. Man sammelt viel. Manchmal gehe ich durch die Klasse und finde während einer Gruppenarbeitsphase ein Arbeitsblatt aus einer anderen Unterrichtsstunde. Mensch, meine Kollegen haben es drauf, gute Arbeitsblätter zu finden oder zu erstellen (und dann die überschüssigen Exemplare in der Klasse liegenzulassen). Ich kralle mir die häufiger und kann viel davon lernen.

Zuhause türmen sich aber auch irgendwelche Wanderdünen. Kennt das noch jemand?

Papierlosigkeit finde ich deshalb schon seit Jahren interessant. Ein iPad Pro führt zwangsläufig dazu, dass Arbeitsabläufe ganz neu durchdacht werden müssen. Damit bin ich dann tatsächlich modern, denn ein gnadenloses Zerschlagen traditioneller Strukturen ist ja auch „in der freien Wirtschaft“ derzeit angesagt. Und ein Umstieg ist nun tatsächlich möglich. Ich habe in diversen YouTube-Vergleichen sehen können, dass die Handschrifterkennung so weit fortgeschritten ist, dass sie im Schulkontext de facto ohne weitere Probleme verwendet werden kann.

2. Digitale Infrastruktur kein gravierendes Problem mehr

Mit der Offensive von KMK, Bund und Ländern sowie dem z.T. schon durchgeführten, z.T. gerade anstehenden Ausbau von Glasfaser sowie merklich größeren Aktivitäten an unseren Schulen, eine Netzabdeckung flächendeckend zu etablieren, kommt man so gut wie immer ins Internet. Notfalls hilft auch der günstige LTE- oder 3G-Datenvertrag, der eine private Brücke ins Netz schafft.

Ich habe mittlerweile in jedem Unterrichtsraum eine Dokumentenkamera, eine Audio-Box (und habe immer noch meine eigene dabei), ein VGA-Kabel (teils auch HDMI), ein Verlängerungskabel und einen Projektor. Ich möchte mich wirklich nicht beschweren!

3. Neue didaktische und methodische Möglichkeiten

Tafelbilder können handschriftlich und ohne Kreide erstellt werden, anschließend sind sie sofort – auch ohne Umwandlung in ein getipptes PDF – nahtlos durchsuchbar (vgl. diesen Blog-Beitrag, anhand dessen sich das nachvollziehen lässt). Zudem können diese Tafelbilder leicht auf einen Server geladen und von dort aus abgerufen werden, bspw. per QR-Code durch die Schüler Smartphone-Kameras. Dann allerdings bräuchten die Schüler das Tafelbild eigentlich nicht mehr abschreiben. Methodisch/didaktisch ist das doch sehr interessant! Bleibt mein Bonbon, dass wenn ich ein digitales Tafelbild erstmalig erstelle, ich dieses auf meinem Rechner immer wiederfinden kann, indem ich beliebige Wörter eingebe, die an irgendeiner Stelle in diesem Tafelbild auftauchen. Wohlgemerkt, alles bleibt handschriftlich und wird nicht in gedruckten Text konvertiert.

Und das ist nur eine Neuerung, die sich ergibt. Was wäre dann erst mit Email-Verteilern (ich wette, das machen schon viele), AirDrop in iOS-AGs, Clouds, internen Servern und EZCasts oder Apple TVs etc.?

Das ist also der Anfang. Ein kleiner Bogen zur obigen Evaluation, die eigentlich für das MacBook Air 11 Zoll (oder eben „für jeden handelsüblichen Laptop“) ausging: Mir scheint, die treibende Kraft für alle Experimentierfreudigen muss die Selbstreflexion und die Bereitschaft sein, sich selbst und die eigenen Arbeitsabläufe fortwährend zu hinterfragen. Dann macht nämlich ein Absolut-Umstieg auf ein iPad against all odds überhaupt nur Sinn. Ich prophezeie ja, dass mein Experiment scheitern wird. Aber selbst dann, liebe Kollegen: Das iPad Pro ist ein (Verzeihung!) geiles Spielzeug!

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