Lehrer und iPad Pro – Über 3 Brücken musst du gehn…

Schulkontext. Drei Brücken sind es, die man als Lehrer beim Digitalisieren insbesondere benötigt. Diese „Brücken“ sind – unterstellt man, dass Digitale Bildung zuvorderst von der Mitarbeit des Lehrerkollegiums abhängig ist – die Flaschenhälse der digitalen Infrastruktur in Schulen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Wollen wir mal nah am Lehrer sein…

Heimat ist dort, wo sich mein iPhone automatisch ins WLAN einwählt.

Zunächst ist da der Party-Crasher Nummer 1: WLAN. Es kann unzählige Probleme mit dieser Technologie in der Schule geben. Entweder, der Router funkt nicht so weit, oder das Passwort stimmt nicht, oder das Passwort stimmt, aber die Passwortanforderungsseite wird auf dem iOS Device leider nicht produziert. Und dann, wenn man schließlich „on“ ist, dann ist der Datendurchsatz so störend gering, dass ein reibungsloses Arbeiten damit nicht möglich ist. Ergo: Man nimmt ein Endgerät mit, welches die Macht des LAN in sich trägt – und legt es an die Leine. Freiheit sieht anders aus. Mit voll ausgebautem WLAN sind übrigens auch die Schüler „on“ und man kann papierlos arbeiten. Ein gutes WLAN an einer Schule mit einer Schüleranzahl größer 1.000 bringt allerdings dann nichts, wenn nur eine 16.000er DSL-Leitung am Haus anliegt. Glasfaser wäre da schon vorteilhaft.

Die beste Kamera ist diejenige, die man immer dabei hat.

Eine große Brücke ist die Ausstattung mit einer leistungsfähigen Kamera. So wie es eine Breitbandverbindung ins Gehirn gibt (die Augen), gibt es auch eine vorrangige Breitbandverbindung aus dem Klassenzimmer auf den Lehrerschreibtisch: Die Kamera. Sie ermöglicht die Mitnahme von Arbeitsprodukten, was sage ich, sogar eine Dokumentation der Arbeitsprozesse! Sie ist damit extrem unterschätzt. Um jede Ecke lugt allerdings schon der Datenschutzbeauftragte und der Urheberrechtler, denn die Kamera will auch bedacht eingesetzt sein. Man könnte also Dokumente in der Schule scannen. Man kann Filme vom Klassengeschehen machen. Man kann Tafelbilder fotografieren, obwohl sich die Frage stellt, warum man mit einem iPad bspw. zusätzlich einen old school Tafelanschrieb produzieren sollte. Das ließe sich auch in einer Notizen-App erledigen. Vorteilhaft auf alle Fälle: Man kann dieses Tafelbild – ganz gleich, auf welche Art und Weise digitalisiert – in der nächsten Stunde sofort wieder abrufen. Die Kamera ist Dein Freund! Und sie ist ein schlagendes Argument gegen die derzeit noch häufig anzutreffenden Laptops im Schulgeschehen. Deren Kameras nämlich sind gegen ein iPad Pro meist echt zweite Wahl!

Never change a running (cable-)system.

Während Brücke Nummer 1 – WLAN – aus Gold gegossen ist und Brücke Nummer 2 – die Kamera – mindestens 30 Silberlinge gegen den Laptop in die Waagschale legt, ist Brücke Nummer 3 eine Holzbrücke. Der 15-pin VGA-Adapter stört in der Tasche, ist weitgehend überholt, aber ohne dieses Teil braucht man im Schulkontext gar nicht erst versuchen, auf den Digitalisierungs-Highway einzubiegen. Brücke 1 kann hier hilfreich einspringen, wenn der Projektor WLAN verträgt. Ansonsten bleibt: Die alte Holzbrücke funktioniert wenigstens. Die goldene Brücke Nummer 1 schmilzt dagegen in all dem Blenden des Lichts der Digitalisierung auch schon mal weg.

Es freute mich übrigens, käme ich mit ein wenig Hilfe meiner Freunde hier auf insgesamt 7 Brücken, aber: So komplex scheint mir das alles gar nicht!

2 Gedanken zu „Lehrer und iPad Pro – Über 3 Brücken musst du gehn…

  1. Dr. Thomas Roedl

    Ja, diese Brücken kann schon dazu führen, dass man entweder eine IT „Abteilung“ in der Schule braucht, oder aber IT als Fach hat mit Spezialisierung auf Netzwerk Technologie und der Lehrer (im besten Fall auch die Schüler) nicht nur die Installation der Komponenten sondern auchauftretende Probleme beheben können. 😉 Viele Grüsse und danke für den tollen Artikel Dr. Thomas Roedl alias Tom Solid

    1. mstammeier

      In der Tat interessante Ansätze. Problematisch erscheint mir dabei, dass in einem föderalistischen Bildungssystem in Deutschland eine Vielzahl an Konzepten – und daher eigentlich in Wirklichkeit keines – vorliegt. Derzeit wird „bei der Digitalisierung mächtig Druck gemacht“, aber was genau Digitalisierung eigentlich ist, das erzeugt bei den meisten Kollegen nur Fragezeichen. Manchmal könnte man zusammenfassen: „Digitalisierung ist, wenn man einen Acer-Laptop (ja, mit all seinem Plastik-Feeling) auf das Pult stellt.“
      Der Bedarf an funktionierender Infrastruktur, fortwährenden Schulungen und einer neuen Schulkultur bleibt an der Basis weitgehend ungedacht. Unkündbare Menschen jenseits der 50 – und davon gibt es einige – sehnen sich häufig nicht nach einem iPad Pro und den neuen geilen Apps, die ihr Leben mit unzähligen Stunden des Wischens und Tippens bereichern. Wenn ich in ca. 10 Jahren aus einem System herauswachse, welches ich mir vermutlich über ca. 25 Jahre so zurechtgelegt habe, dass ich damit effizient umgehen kann, warum soll ich dann an einer Veränderung dieses Systems arbeiten. Über 25 Jahre bekommt man sicher auch heraus, wie man Dinge aussitzt und wann man sich doch mal pro forma bewegen muss. Ich verdenke es den Kollegen nicht.
      Dann gibt es eine Kohorte an Kollegen zwischen 35 und 50, die zwar umsetzen wollen, gleichzeitig aber von Ministerien und KMK erzählt bekommen, man wolle digitalisieren, dies aber bitte „kostenneutral“ (also keine Stundenentlastung für die Einarbeitung in eine weitgehend neue Materie). Mehr Geld für einen Beamten ist ja auch keine Option. Eine Gehaltserhöhung kann es nur für eine echte Beförderung geben. Mehr Beförderungsstellen gibt es aber nicht.
      Die vorsichtigsten Kostenschätzungen in einem recht aktuellen KMK-Papier würden für eine Schule, die ich sehr gut kenne, eine Mittelzuweisung von 300.000 €/Jahr bedeuten. Ich sehe nicht, dass dieses Geld tatsächlich in der Breite so verteilt werden kann.
      Aber man könnte davon einen IT-Menschen bezahlen – und ehrlich gesagt: Nur das würde auch eine professionelle Lösung sein. Selbst an Beruflichen Schulen mit technischem Zweig gibt es nur wenige Kollegen, die eine IT nachhaltig neben dem Beruf funktionsfähig halten könnten.
      Zuletzt gibt es die ganz jungen Kollegen, ich nenne sie jetzt mal ambitionierte Pioniere. Diese kennen die Struktur des Systems Schule noch nicht und – ich sage es nicht gern – ihre Motivation zerschellt in kürzester Zeit an Datenschutz, Schulgesetz oder ihrem eigenen Anspruch.
      Es bleibt spannend.

Kommentar verfassen

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.