Schule: Ab-, vor- und aufgeschrieben.

Das averse Umfeld des Lehrers bewegt mich manchmal in nachdenklichen Phasen…

Schule – Ein Ort für Abgeschriebenes

Lehrer verbringen einen Großteil ihrer Lebenszeit in aversen Umfeldern. In meinem Unterrichtsumfeld tauchen beispielsweise immer wieder graue Würfel mit oben angebrachten Fenstern auf – die Allzweckwaffe OHP tut ihren Job recht gut – und zwar seit Jahrzehnten. Sie hat ihre Nutzungsdauer vermutlich bereits mehrfach hinter sich.

Manchmal, wenn ich vom OHP aufschaue, fällt mein Blick auf die alte Kork-Pinnwand, ein hochfunktionales Stück Equipment, das, mit einigen Nadeln ausgestattet, in seiner Effizienz fast nicht zu schlagen ist. Die Kosten, die man hat, um etwas zu posten oder zu löschen sind nahezu gleich Null.

Wenn ich keine Lust mehr auf die blendende Ausstattung habe, schalte ich den OHP aus und drehe mich zur Tafel mit Kreide um. Dieses Medium war schon da, als ich kam und ich vermute fast, es wird noch stoisch in der Gegend rumstehen, wenn ich wieder gehe.

Manchmal unterrichte ich in Räumen, in denen alte Kartenständer herumstehen, die ich gern dazu benutze, um im Sommer das Fenster daran zu hindern, sich selbsttätig zu schließen. Diesen Job macht der Kartenständer gut. Ob er jemals noch seinem ursprünglichen Zweck gerecht wird, entzieht sich meiner Kenntnis. Manchmal schon, glaube ich.

Alte Bilder, die vermutlich nicht lieblos an ihren jetzigen Ort bewegt wurden, müssen sich aber mindestens missachtet fühlen, wenn sich über Jahre niemand um sie kümmert. Also hängen sie da so rum.

Sie alle – und das sind nur die Dinge, die mir ad hoc einfielen – sind abgeschrieben.

Ein Ort des Vorgeschriebenen

Schleswig-Holstein: Der echte Norden. Oder: Das Land der Horizonte.

Da muss ich schmunzeln. Nicht nur sehen wir auf die nicht so nördlichen Bundesländer wie auf minderwertige Südländer herab (was ich persönlich nicht so störend finde), sondern wir zeigen zumindest in einem für mich extrem wichtigen Bereich einen recht engen Horizont: Wir schützen unsere Daten wie verrückt. Nun unterrichte ich unter anderem Datenschutz und brachte in meinem Unterricht unter anderem dieses Video über den Überwachungsstaat an. Doch nach den jüngsten Erkenntnissen (Stichwort: Andrej Holm) würde ich sagen: Unser Staat hat mit seiner Überwachung nicht immer ganz Unrecht. Dennoch ist mir der Horizont zu eng. TeacherTool? Verboten. Bilder von Schülern, um deren Namen lernen zu können? Verboten. WhatsApp und Facebook zur Kommunikation? Verboten. Der schleswig-holsteinische Datenschutzhorizont ist eines: eng. Und so dokumentiere ich in einer Hardcopy, fühle mich wie ein Straftäter, wenn ich Klassenhandeln, weil es eben mal wirklich gut ist und alle ein Foto machen wollen, fotografiere. Für Blog und Netz frage ich höflich nach Erlaubnis zur Verwendung von Fotos, nutze sie dann aber doch nicht, weil ich die Erlaubnis ja irgendwie doch nicht schriftlich habe – sonst wäre ich ja angreifbar. Buchtipp.

Ein Ort des Aufschreibens

Es bleibt noch: Aufgeschriebenes. Das Schulprogramm habe ich mit aufgeschrieben. Nun liegt es in der Schublade. Da liegt’s gut.

Und was macht ihr so?

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