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άνθρωπος – Der Mensch.

Ich hatte da mal ein Vorbild. Steve Jobs. Die Rede, die 2011 nach dem Tod des Apple-Gründers und irgendwie ja Business-Genies über die Flat-Screens in unser Bewusstsein gepresst wurde, hatte er in Stanford schon etwas vor seinem Tod gehalten. Darin: „Connecting the dots.“

Dieses „Connecting the dots“ hat mich seitdem irgendwie inspiriert, ein wenig mehr als nur die unmittelbaren Umstände zu betrachten. Connecting the dots ist nichts Oberflächliches, sondern, so wie ich es verstehe, eher sehr tiefgründig. Connecting the dots kostet Zeit. Connecting the dots fordert man besser nicht von jungen Leuten, denn meist dürfte der zeitliche Horizont in jungen Jahren noch, sagen wir es verstehend und nicht maßregelnd, begrenzt sein. Wie sollte auch jemand, der 18 ist, in Zeithorizonten von Generationen denken? Ich will nicht ausschließen, dass das funktionieren kann, aber in meinem Leben war das Herstellen von großen Verbindungen im Alter von 18 nur sehr begrenzt möglich.

Deshalb kam 2011 und Steve jobs‘ Tod für mich gewissermaßen passend, denn ich war im Begriff, eine Familie zu gründen – und wer denkt da nicht in den Kategorien von Generationen?

Heute, im Jahr 2019, sind Kinder auf Deutschlands Straßen unterwegs und rufen unter anderem: „Wir sind hier. Wir sind laut. Weil ihr unsere Zukunft klaut.“ Und ein schwedisches Kind mit Asperger-Syndrom liest erwachsenen, meist akademisch ausgebildeten Politikern die Leviten mit den Worten „Ich will, dass ihr in Panik geratet.“

Politiker sollen panische Politik machen? Das finde ich persönlich eine sehr kindische Forderung. Sie ist geradezu dumm, denn die Geschichte lehrt uns doch irgendwie (auch wenn man das als Teenager vielleicht nur durch einen Schleier zu sehen vermag), dass panisch getroffene Entscheidungen meist zu Leid führen oder in ihrer Undurchdachtheit zumindest kein Optimum an Nutzengewinn erzeugen. Den Wunsch nach Panik würde ich also als Politik-Laie und Mensch mit gesundem Menschenverstand als irrational disqualifizieren.

Klauen denn wenigstens die alten den jungen Menschen die Zukunft? Nun, meine eher affektive Antwort als Lehrer darauf lautet:

„Liebe Leute, Sie sitzen hier bei mir in der Klasse und wollen auf eine FFF-Demo gehen, die in die Zeit fällt, in welcher Sie Schulpflicht haben? Sie wollen rufen, wir Alten klauten Ihnen die Zukunft? Dann stehen Sie mal auf und sehen sich kurz um. Sie sitzen in einem mit Zentralheizung beheizten Klassenraum, der durch Energiesparleuchten nahezu tageslichtecht beleuchtet wird. Die Fenster mögen aus dem Baujahr sein, aber wir könnten sofort einen Ausflug nach Asien, Afrika, Südamerika, ggf. auch Nordamerika, England, Frankreich und Co. machen und ich wäre mir nicht sicher, dass die Fenster dort (oft) besser wären. Die Mülleimer in diesem Raum gibt es nicht im Singular. Wir trennen unseren Müll. Neben der Tür und auf Augenhöhe hängt der Flucht- und Rettungsplan, auf dem eingetragen steht, wie Sie im Brandfall bestmöglich Ihr Leben retten können. Dafür gibt es am Ende des Flurs extra Notausgänge und Rettungstreppen außen am Gebäude. Wenn jemand den Notruf-Knopf für Feueralarm im Gang drückt, wette ich mit Ihnen, dass in unter 15 Minuten die Feuerwehr anrückt und löscht. Wir trainieren regelmäßig, wie wir Ihr Leben hier in diesem Haus und auf dem Weg nach draußen retten können. Die Bauvorschriften übrigens sorgen dafür, dass ich mich nur mit größter Mühe überhaupt daran erinnern könnte, dass mal ein Gebäude in Deutschland eingestürzt wäre. Dagegen kommt das in anderen Teilen der Welt schon mal vor. Übrigens: Sogar die Vorhänge in diesem Raum sind feuerfest. Nein, probieren Sie es bitte nicht aus!

Wenn Sie mal ein Problem haben, haben wir mittlerweile eine Armada an Sozialpädagogen und Psychologen an der Schule, die zu Ihrer Betreuung da sind. Suchen Sie sich eine Person aus, mit der Sie klarkommen! Wir haben einen Seelsorgebeauftragten und einen Vertrauenslehrer aus dem Lehrerkreis und haben eine Schulkonferenz, in der auch Sie als Schüler über die Klassensprecher und die Schülervertretung, die unser System Ihnen zugesteht, ein Mitspracherecht haben.

Wir geben uns Mühe, Ihre Mitschüler aus anderen Ländern zu integrieren und Mitschüler mit Behinderungen zu inkludieren. Man kann sich darüber streiten, was der beste Weg zu diesen Zielen ist, aber wir führen diese Diskussionen für jeden aus Ihrer Schülergeneration. Gibt es das überall?

Sie werden per öffentlichem Verkehrsmittel bis zur Schule gebracht, dafür hat unsere Gesellschaft Schulbusse eingerichtet. Vergleichen Sie bitte unsere Schulbusse mit den Schulbussen (falls existent) weltweit. Sie sind nicht die ineffizientesten!

Können Sie mir sagen, wer Svante Arrhenius war? Ab wann ist das 1,5-Grad-Ziel gerissen? Was genau besagt der 97%-Konsens? Haben Sie schon einmal einen IPCC Assessment Report gelesen (oder auch nur Teile daraus)? Gibt es seit 1900 gesichert mehr oder stärkere Winde? Achso, wofür steht nochmal „IPCC“?

Wenn Sie eine dieser Fragen nicht beantworten können, dann schlage ich Ihnen folgendes vor: Bleiben Sie jetzt hier sitzen und lernen. Gehen Sie meinetwegen nachmittags auf die Straße, wenn Sie nicht die Gesetze und Verordnungen unseres beschützenswerten Rechtsstaats verletzen. Und: Finden Sie bitte den Respekt für Ihre Elterngeneration wieder, die Häuser und Schulen gebaut hat, heute in der Freiwilligen Feuerwehr Dienst schiebt, die Polizei ist, Ihnen Wissen in dieser Institution gratis vermittelt und den Rechtsstaat durch Bildung schützt oder Sie mit dem Bus zur Schule fährt, damit Sie für Ihre DURCH UNS ERMÖGLICHTE ZUKUNFT lernen können!“

Wie gesagt, das ist meine ad hoc affektive Antwort.

Aber nehmen wir mal an, die Apokalypse naht tatsächlich ausschließlich und alleinig und unfalsifiziertermaßen absolut sicher durch menschengemachten CO2-Ausstoß. Dann „klauen“ nicht die Alten den Jungen die Zukunft, sondern die Jungen klauen ebenfalls sich selbst die Zukunft, denn sie sind ja Menschen, die notwendigerweise CO2 ausstoßen.

Dot 1

Verena Brunschweiger ist Feminist, Lehrer und Buchautor. Sie „bezeichnet sich als extrem umweltbewusst“ und „verzichtet auf Flugreisen, lässt so gut wie immer das Auto stehen, ernährt sich vegetarisch“. Schade eigentlich, dass sie sich nicht fortpflanzen will, könnte sie doch diese Einstellung gut an ihre Kinder weitergeben. Ihre Veröffentlichung (Kinderfrei statt Kinderlos: Ein Manifest.) spricht Bände! Aber Frau Brunschweiger hat wohl folgendes verstanden: Der Mensch produziert CO2. Man könnte sagen: Leben produziert CO2. Ergo:

Dot 2

Bekomme bitte keine oder weniger Kinder.

Das ist die Quintessenz, wenn man sich auch wissenschaftlich mit dem Thema beschäftigt. Seth Wynes und Kimberly A. Nicholas kommen in ihrem Paper „The climate mitigation gap: education and government recommendations miss the most effective individual actions“ , veröffentlicht in Environmental Research Letters, Volume 12, Number 7, jedenfalls auch zu diesem Schluss. Es ist bei weitem am effizientesten, weniger Kinder zu bekommen. Meines Erachtens könnte das eine interessante Handlungsanweisung für Weltregionen sein, in denen man regelmäßig über die Anzahl der Kinder die Altersvorsorge herzustellen versucht. (Stichwort: Afrika.) Ich weiß nicht, ob man das noch sagen darf, aber falls nicht: Einfach gedanklich wegzensieren. Meine Gedanken sollen aber frei sein.

Für Europa halte ich das aber nicht für eine gangbare Lösung, da hier die Demografie eine andere Sprache spricht. Um ein effizientes System wie das der sozialen Marktwirtschaft in Deutschland zu stabilisieren – Und ich denke, ich führte oben intelligent und nachvollziehbar aus, warum dieses System durchaus als sehr effizient bezeichnet werden kann – sollte man eine 2-3-Kind-Politik ausgeben, um die demografische Notsituation der Rentenversicherung zu beheben.

Dot 3

Wenn man die Idee, der Mensch sei die größte Umweltverschmutzung – laut Wynes und Nicholas mindestens 24mal so schlimm wie ein Auto (dazu reicht übrigens das Lesen des Abstracts besagten Papers aus) – konsequent rationalistisch weitergeht, dann kommt man irgendwann bei – Verzeihung! – völlig verrückten Spinnern raus, die sich in einen Kult begeben, der als seine vier Säulen bewirbt: Selbstmord, Abtreibung, Kannibalismus und Sodomie. Sorry, HEAL THE WORLD! Das geht gegen sämtliche Werte, die man in meinem Umfeld so hochhält.

Dot 4

Apropos Werte: Wo sind sie geblieben? Ist nicht das Rationale die alles entscheidende Größe? Sollten wir nicht rational entscheiden? So wie der ökonomistisch vorgehende Nobelpreisträger Gary S. Becker, bei dem Kinder Konsumgüterstatus erlangen. Hier befindet sich eine schnell gefundene Zusammenfassung. (Ich hege übrigens keinen Groll gegen derlei Gedankengut. Mir scheint nur, der ausschließlich rationale Mensch alias homo oeconomicus ist emotional und psychisch behindert.)

Rational gedacht: Die Weltbevölkerung mit Nahrung zu versorgen, funktioniert mit jedem Menschen mehr auf der Welt zunehmend schwierig. Es bedürfte entweder einer Populationskontrolle (Demokratisch legitimierbar? Würde des Menschen? Selbstverwirklichungsrecht?) oder es bedürfte innovativer Anstrengung mit beispielsweise großzüger Züchtung manipulierter Pflanzen, um den Bedarf (oft ja auch nur Bedürfnisse ohne Kaufkraft) zu decken. Parallel könnte zunehmender Fleischverzicht helfen. Achtung: Verzicht≠Verbot! Am besten wäre natürlich eine Kombination aus Innovation und Konsumverzicht (ausgedehnt auch auf andere Konsumgüter). Exkurs: Ich muss da ein wenig an die protestantische Ethik denken, die laut Max Weber die intrinsisch-extrinsische (denn es ging ja schon um ein gottgefälliges Leben) Motivation zu Konsumverzicht besorgte.

Idee: Europäer zu einer 2,2-Kind-Politik bewegen. Der Bildungs- und Effizienzgrad europäischer Gesellschaften dürfte recht hoch sein. Gleichzeitig demokratisch legitimierte Anreize zu einer Veränderung der Konsumstruktur setzen. (Aber wie soll das gehen?!)

Afrika: Reduktion des Kinderreichtums durch finanziertes Angebot auf Zugang zu Verhütungsmitteln. Vermutlich sind nicht alle Kinder geplant und für eine funktionierende Altersvorsorge notwendig sowie durch die sie bekommenden Eltern versorgbar.

Vielleicht könnte das so ähnlich aussehen wie die in diesem Artikel geäußerten Gedanken.

Am Ende kann dann stehen: Der Mensch macht’s.

Oder: Spaß ist, was ihr draus macht!

Demnächst dann: Kapitalismus als Grund für das Klima-Übel?

P.S.: „Kinderfrei“ kann sich meines Erachtens wirklich nur jemand nennen, der selbst noch nie Kinder bekommen hat. Man lasse zur Not einfach das Artikelbild auf sich wirken…